Hubertusfeier 07.11.2015 in Schrozberg

Bei ihrer Premiere als Hubertusrednerin unternahm die 41-jährige Amtstierärztin Baeuerle in Schrozberg eine Standortbestimmung. In der Gesellschaft führe die Entfremdung des Menschen von der Natur dazu, dass weite Teile der Bevölkerung den Sinn und die Erforderlichkeit der Jagd ablehnten, sagte sie. Die Jagd sei immer mehr gesetzlichen Regeln unterworfen, die den Jägern Schwierigkeiten bereiteten, "bei der Jagd weiterhin das Gefühl von Freiheit zu empfinden".

In der Natur seien "erstaunliche Entwicklungen" zu beobachten, wie die Zunahme seltener Arten wie Luchs, Wolf, Schwarzstorch oder Uhu. Gleichzeitig gebe es eine Intensivierung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung. Rebhühner und Hasen nähmen in der Feldflur stark ab, während sich Wildschweine "in einer früher nicht vorstellbaren Geschwindigkeit" vermehrten, sagte Baeuerle. In vielen Fällen seien Jäger als Problemlöser gefordert, allerdings würden sie bei ihren landschaftsgestaltenden Hegemaßnahmen wie der Anlage von Hecken schnell von der Produktion von Energiepflanzen überholt.

"Schützen und nutzen von Wildtieren und ihren Lebensräumen, das ist unser Auftrag und unsere Leidenschaft", formulierte Baeuerle auf Position der Jäger. Waidgerechtigkeit und Tierschutz müssten die Jäger als wichtige Werte in der Gesellschaft vertreten, und sie müssten ihr Umfeld aktiv gestalten - "sonst werden wir gestaltet".

Bürgermeister Klemens Izsak sagte, heute sei es oft schwer eine Jagd zu verpachten, weil es für die Jäger nicht nur darum gehe, das Wild zu schießen. Vielmehr überwiege die Arbeit, die für Hege und Pflege aufgewandt werden müsse.

Bei der Hubertusfeier kam die Unterhaltung nicht zu kurz. Dafür sorgten auch die Darbietungen auf der Bühne. So zeigte die Jazztanzgruppe "Crazy Passion" des TSV Schrozberg einen Ausschnitt aus ihrem Programm. Und auch die fünf Musiker der Alphornbläser aus Blaufelden hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Der Hubertusfeier in der Stadthalle war die Hubertusmesse in der katholischen Peter-und-Paul-Kirche vorausgegangen, bei der Jagdhörner die musikalische Hauptrolle spielten. Die Langenburger Jagdhornbläser gaben den Auftakt, die Liturgie begleitete die Parforcehorngruppe der Crailsheimer Jagdhornbläser. Sie ließen die Messe zu einem besonderen Erlebnis werden.

Pastoralreferent Felix Edelmann sagte, das Maß von Hege und Pflege, von Zulassen und Regulieren müsse in einem steten Diskussionsprozess neu gefunden werden. Die Fronten in der Diskussion seien oft verhärtet, aber nur durch ein Mindestmaß an Offenheit, durch das Ringen um den rechten Weg könne die Verständigung gelingen.

Erstellt am 19.11.2015
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